Würdet ihr bei einem Unfall helfen?

Apple

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#1
Moin zusammen,
Ich habe heute den unten stehenden Artikel in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gefunden. Es zeigt einem Umstand auf, der geradezu auf tragische Art und Weise eine immer weiter um sich greifende Mentalität aufzeigt: Hauptsache ICH, der Rest ist mir egal.....
Machen sich die Menschen tatsächlich so wenig Gedanken um einander? Irgendwie wird das normale Leben immer bekloppter, oder? Immerhin war die Hilfsbereitschaft der Motorradfahrer höher als die der Autofahrer.

Nur zehn Prozent helfen Verletzten
Osnabrücker filmt Unfalltest
Wie viele Auto- und Motorradfahrer helfen, wenn sich ein schwerer Verkehrsunfall mit Verletzten ereignet? Diesen Test mit teils für die Polizei alarmierenden Ergebnissen machte jetzt die Brandenburger Polizei. Mit im Team war der Osnabrücker Blaulichtreporter Festim Beqiri.
Osnabrück/Oranienburg Eigentlich kann Festim Beqiri kaum noch etwas erschüttern. Der Osnabrücker ist seit rund neun Jahren in der Region unterwegs und berichtet über Unfälle, Brände und andere Einsätze von Polizei und Feuerwehr – auch für unsere Redaktion. Doch die Geschehnisse, die der 28-Jährige in den vergangenen Tagen in Brandenburg erlebte, lassen ihn fast ratlos zurück. „Es ist schon schockierend, wie sich einige Menschen bei Unfällen verhalten und den Opfern nicht helfen“, sagt Beqiri.
Durch den Kontakt zu einem befreundeten Blaulichtreporter aus Brandenburg war Beqiri in der vergangenen Woche Teil eines Teams aus Reportern, Polizisten und Feuerwehrleuten, das an einer Landstraße in der Nähe von Wensickendorf – an einem Unfallschwerpunkt – ein außergewöhnliches Experiment wagte. Ein ausrangiertes Auto drehten die Beteiligten auf das Dach und schoben es auf den Grünstreifen. Eine Maskenbildnerin richtete zwei Schauspielerinnen mit reichlich Kunstblut so her, dass sie von tatsächlich Verletzten nicht zu unterscheiden waren. Die Frauen legten sich schließlich in den scheinbar verunglückten Wagen, der von der Straße aus gut zu sehen war.
Keine Hilfsbereitschaft
Beqiri und sein Kollege waren für die Installation von sieben versteckten Kameras zuständig, die das Geschen filmten. Dabei zeigte sich, dass neun von zehn Auto- und Motorradfahrern einfach an der Unfallstelle vorbeifuhren, ohne sich zu kümmern. Sechs Stunden beobachtete das Team die Unfallstelle, die Dutzende Autos und Motorräder passierten. „Einige Ersthelfer haben noch versucht, andere Autos anzuhalten, weil sie offenbar kein Handy dabeihatten. Aber die Leute sind einfach weitergefahren“, sagt Beqiri. Auf der anderen Seite habe es auch Menschen gegeben, die sich fast aufopferungsvoll um die Verletzten hätten kümmern wollen. „Die Hilfsbereitschaft einiger Personen hat bei mir Gänsehaut erzeugt“, so der Osnabrücker.
Einige Hundert Meter nach der fingierten Unfallstelle konfrontierte die Polizei die nicht hilfsbereiten Fahrer mit ihrem Verhalten. „Es war schon krass, welche Ausreden wir dort gehört haben“, bilanziert Beqiri. So argumentierten einige Fahrer, sie hätten die Unfallstelle nicht bemerkt. Andere haben ausgerechnet an der Kontrollstelle noch wenden wollen, um zum Hunderte Meter entfernten Unfallort zurückzukehren. Gefühlt sei die Hilfsbereitschaft der Motorradfahrer noch etwas größer gewesen als bei den Autofahrern, sagt Beqiri.
Die Polizei wollte mit dem Experiment herausfinden, wie es um die allgemeine Hilfsbereitschaft bei Unfällen bestellt ist. Dabei sei sie sich durchaus bewusst, dass der Test nicht ganz unumstritten sein könnte, sagte eine Sprecherin der Brandenburger Polizei unserer Redaktion. „Zur Polizeiarbeit gehört aber auch Prävention, und die lässt sich mit der Simulation einer realen Situation gut darstellen“, so die Sprecherin. Die Ergebnisse beurteilt sie eindeutig: „Wir hatten bisher keine genauen Erhebungen. Dass Hilfe in diesem Maße ausbleibt, ist jedoch alarmierend.“
 

scrdel

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#2
Sofort!

Mir ist beim helfen schon eine Frau unter den Händen gestorben, war schon harter Tobak, trotzdem sofort immer wieder!


Sven
 

vmax300

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#3
IN JEDEM FALL!!
Habe heute einen Bericht gesehen aus der Berliner Umgebung, da wurde ein Unfall nachgestellt (Auto lag auf dem Dach).

Von allen Fahrzeugen haben nur zwei Motorradfahrer und eine Frau angehalten. Die Polizisten haben dann die Frau gefragt warum sie angehalten hat, in diesem Moment ist sie in Tränen ausgebrochen weil der Polizist ihr sagte dass die meisten vorbeigefahren sind...


Edit: scrdel, wir haben auch schonmal versucht einen Motorradfahrer zu reanimieren, über 10min, so fertig war ich noch nie körperlich. Leider ist die Person im Helikopter verstorben...
 

Apple

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#4
Ich muss dazu sagen, das ich lange Jahre im Rettungsdienst NAW gefahren habe. Für mich ist es auch immer selbstverständlich zu helfen.
 

Munky

gehört zum Inventar
#5
würde immer anhalten und machen was ich kann. hoffe für mich hält auch jemand an, bzw hat bisher immer jemand angehalten und geholfen
 

twister13

gehört zum Inventar
#8
Natürlich würde ich anhalten. Habe es auch schon mehrmals getan. Dem Himmel sei Dank bislang ohne Tote.

Man sollte die die vorbeigefahren sind auch nicht zu sehr blamen. Es ist (hoffentlich) nicht nur Gleichgültigkeit sondern schlagartig auch die Aufgabe da jetzt schwerverletzten Unfallopfern zu helfen.
Bei extremem Stress, wie Einbrecher im Haus oder Unfall übernimmt das Reptiliengehirn in uns allen die Kontrolle. Und das kennt nur 3 Reaktionen: Erstarren, Angriff, Flucht. Und da man schon im Auto sitzt ist es einfach zu beschleunigen und zu fliehen.

Man muss nämlich auch einen Plan haben wie man vorgeht und einen kühlen Kopf bewahren können um es überhaupt hinzubekommen die automatische Reaktion zu unterdrücken und anzuhalten.

Erste Regel: Eigensicherung.
Man liest immer wieder von hilfsbereiten Menschen die bei einem Unfall aussteigen, völlig überwältigt sind von Adrenalin und Schock, sich komplett falsch verhalten um dann selber schwer verletzt oder totgefahren zu werden.

Das bringt natürlich niemandem was. Also erste Massnahme Eigensicherung, der Verletzte hält das schon solange aus. Also auch keine Panikbremsung beim Anblick eines Autowracks sondern sicher versuchen abzubremsen, man kann auch 100 Meter weiterfahren und dann sicher halten und wenden. Dann sofort die Rettungsstelle benachrichtigen.

Zweitens Unfallstelle absichern. Wenn man gerade dabei ist einen wieder zu beleben kommt es sauschlecht dann von einem Auto niedergemangelt zu werden.

Drittens Triage. Man muss sich eiskalt einen Überblick verschaffen. Wer braucht als erstes Hilfe. Es bringt gar nix sich auf das erste Unfallopfer zu stürzen, dem die Hand zu halten bis die Feuerwehr kommt, derweil nebenan einer verblutet. Es muss aber auch nicht immer der mit dem meisten Blut sein. Hatte mal einen der unkontrolliert immer auf die Fahrbahn rennen wollte. Der konnte zwar noch laufen aber wäre sicher bald tot unterm Auto gelegen.

Viertens was tue ich mit einem Verletzten. Abbinden, Helm sicher abziehen, stabile Seitenlage, Luftwege kontrollieren sind so die Stichworte.

Herzdruckmassage wird wahrscheinlich kaum einer jemals machen müssen. Falls doch ist das Motto: Lass die Rippen knacken! Gerade bei älteren Menschen sind ein paar gebrochene Rippen ein Zeichen dass man es richtig gemacht hat. Da muss Schmackes dahinter sein. 100 Mal die Minute. Das macht kaum einer 5 Minuten lang.

Man sollte mental auf solche Ausnahmesituationen vorbeteitet sein. Gerade als Biker, denn der Kollege kann immer abfliegen. Wenn man einen Plan im Kopf hat ist das die halbe Miete. Denn denken können bei einem Unfall eigentlich nur die Profis. Die anderen stehen zu sehr unter Schock.
 
Zuletzt bearbeitet:

tecjonny

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#9
Beim Unfall mit zwei Motorrädern am Kesselberg gabs keinen Menschen in der Kurve (ca. 15-20 Moppedfahrer), der nicht geholfen hat (entweder zum Unfall selbst, oder Unfallsicherung/Verkehrssicherung). Den Beteiligten wurde schnell und richtig geholfen, meine Hilfe war dort direkt nicht von Nöten, daher habe ich mich auch entfernt (zu viele drum herum is auch falsch).

Im Namlostal bei nem Sturz haben auch sehr viele angehalten und gefragt, ob man helfen kann, war offensichtlich, dass wir ihn bereits versorgt hatten. Ich denke auch, dass viele im Käfig (Auto) ne gewisse Distanz zur Außenwelt haben und sich daher nicht heraustrauen. Bei Motrradfahrern ist das eher seltener der Fall, wohl aus persönlichen Gründen, dass einem das genauso passieren könnte.

Ich zu meinem Teil kann also nicht bestätigen, was da oben steht - zumindest hier im Alpenraum - und das ist auch gut so 👍👍👍.

Rücksicht und miteinander, egal wer/wie/wo/was. Jedem kann es passieren, da möchte ich es ebenfalls nicht anders erleben.

Greets
 

chausg

ist ein V4 Fan...
#10
Ich glaube ich würde mir im Spiegel nicht mehr in die Augen sehen können wenn ich bei einem Unfall nicht helfen würde.
Ich habe auch schon an einigen Unfällen Hilfe geleistet, gottseidank war bisher kein Schwerverletzter dabei.
Als ich meinen Autoführerschein frisch hatte war es Winter und es lag der erste Schnee. Als Fahranfänger habe ich dann einige Fehler gemacht und ich bin mit dem Auto im Graben gelandet und das Auto hat sich mit mir mehrfach überschlagen. Mir ist gottseidank nichts Passiert, aber angehalten um zu helfen hat von den Vorbeifahrenden Autos niemand als ich so neben meinem Auto stand und auf meinen Vater gewartet habe.
 

maggifix46

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#11
Ich finde die Aussage von @twister13 gut formuliert, so is es ein guter Weg zu helfen.
Ich für meinen Teil würde falls die Situation es verlangt auf jeden falls anhalten Unfallstelle absichern und den Notarzt rufen, aber die irgendwelche Wiederbelebungsversuche oder was weiß ich nicht würde ich mir glaube ich nicht zutrauen.
Seelischen Beistand leisten dem Verunfallten bis der Notarzt kommt würde ich machen, dies ist wars. auch schon nicht schlecht.
 

Apple

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#12
Ich selbst hatte vor gut 28 Jahren einen Unfall mit dem Motorrad auf der Autobahn. Als wir vom GP in Donoington Park zurück fuhren bin ich in der Nähe von Duisburg in einer Autobahnabfahrt wegen totaler Übermüdung abgeflogen. Es war für jeden Autofahrer gut sichtbar - auch für die beiden Fahrzeugführer die direkt hinter mir waren. Angehalten hat niemand! Ich habe mehrere Minuten da gelegen weil ich mich zuerst nicht bewegen konnte. Mein Kumpel (der vor mir war) ist an dem Autobahnkreuz zurück gefahren und war der erste und Einzige !!!!! der mir geholfen hat. Gott sei Dank hatte ich bis auf so einige echt heftige Prellungen und einen gewaltigen Schrecken nichts abbekommen. Das "nicht helfen wollen" Phänomen ist also nicht neu, nur heute viel verbreiteter als früher! Leider......
Ich könnte noch viele Geschichtenaus meiner Zeit im Rettungsdienst dazu erzählen aber eines weiß ich sicher: Helfen kann jeder - wirklich jeder! Selbst wenn er (sie) nur anhält um einen Notruf abzusetzen!
Niemand sollte sich bei einem Unfall selbst gefährden oder etwas machen, was er nicht kann! Das ist klar! Aber - und da muss ich zum Teil @twister13 widersprechen - Was in der in dem Artikel beschriebenen Situation beschrieben ist hat mehr mit Gleichgültigkeit als mit Selbstschutz zu tun.
 
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scrdel

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#13
Als ich mit der Frau "im Arm" da lag die verstorben ist, hab ich Menschen die da neben standen um Hilfe gebeten, bekommen hab ich keine! Ätzend! Musste die 10 Min bis Rettungswagen kam mit mir alleine klarkommen.

Ich bin letztens sogar ne extra Runde ums Autobahnkreuz gedüst um einem Moppeddahrer mit Panne zu helfen. Der 18 jährige Bengel wollte sein Mopped übers Autobahnkreuz schieben, da musste ich Ihn vor sich selbst schützen und hab Ihn mit Mopped in meinen Vito geschoben und zur Berufsschule gefahren.....
Der wusste gar nicht wie Ihm geschah....😂


Sven
 

nicksen

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#15
helfen, keine frage! irgendeine aufgabe kann jeder übernehmen und wenn es nur telephondienst ist.
selbst wenn schon helfer vor ort sind, halte ich an und frage, ob ich was tun kann.

das erinnert mich aber daran, daß ich meine ersthelferkenntnisse mal wieder auffrischen sollte...
 

Monty1

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#16
Egal was ist, ich würde immer versuchen zu helfen so gut wie es mir möglich ist. Nichts ist schlimmer als gar nichts zu tun!!! Auch wen bei mir die Rettungskenntnisse nicht die besten sind, irgendetwas kriegt man immer geregelt und wenn man dem Opfer nur das Gefühl gibt, dass er nicht alleine ist. Ein gesunder kann auch viel schneller weiter Hilfe organisieren, als der Betroffene.
Ich habe selber schon mal gelegen und hätte da nicht ein netter Motorradfahrer der mit seinem PKW vorbei kam geholfen, wäre ich heute nicht mehr am Leben, was aber nicht der Grund für meine Hilfe wäre.
Auch wenn der eine oder andere Probleme mit Verletzten hat, einfach mal daran denken, wie es wäre wenn ihr selber betroffen seit, da seit ihr für jede Hilfe dankbar.
Natürlich gibt es Menschen die einfach nicht dafür geschaffen sind anderen zu helfen, aber anhalten und wenigstens Hilfe zu organisieren schafft eigentlich jeder und wenn es nur der Notruf ist.
 
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Mavic

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#17
Filmen und Bilder machen...dass ist wichtiger als Hilfe leisten. Dann wird man noch doof angemacht (von den Gaffern) und gefragt ob man Arzt wäre und ob man sich auskennt...alles schon erlebt.

Helfen ist keine Frage.....selbst wenn jemand am Strassenrand steht und die Lage ist nicht kanz klar, kurz 👍und wenn auch 👍 zurück kommt dann fahre ich weiter.
Muss ja nicht gleich ein Unfall sein, kann ja auch eine Panne oder Spritmangel sein.
 

Monty1

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#18
Muss ja nicht gleich ein Unfall sein, kann ja auch eine Panne oder Spritmangel sein.
Wir reden hier aber glaube ich nicht von Pannen, sondern ganz klar von Unfällen mit Verletzten.
Bei Pannen ohne sichtbare Verletzte im Ausland wäre ich auch vorsichtig, nicht das hinterher die Kohle weg ist und der Verletzte wieder rennen kann.
 

Monty1

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#20
Man darf auch niemals vergessen, einfach weiter fahren und hoffen, der nächste wird schon helfen, kann dem Opfer das Leben kosten.
Nicht jeder schwer Verletzte blutet äußerlich.
Wer z.B. als Motorradfahrer wie ein Hammer-kranker durch die Gegend ballert, sollte auch immer einen Organspenderausweis dabei haben, damit er im Notfall auch noch anderen helfen kann.
 
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