Hallo liebe RSV4-Freunde,
ich habe letzten Samstag meine neue RSV4 Mod. 2017 vom Händler abgeholt. Ich möchte hier meine ersten Eindrücke, auch im Vergleich zu meiner zuvor gefahrenen Suzuki GSXR1000 K9 (Bj. 2009), wiedergeben.
Optik:
Ich habe mich für das matt-schwarze / rote Modell entschieden und muss sagen, dass ich mit der Optik sehr zufrieden bin. In der Werkstatt des Händlers ist mir das edle weiße LED-Licht des Standlichtes zum ersten Mal aufgefallen und ich habe mir den getauschten Kennzeichenträger mit dem Zubehörkennzeichenträger von Aprila angesehen. Für stolze 250,- Euro habe ich mir diesen gleich vom Händler anschrauben lassen. Bis auf das Aussehen des Originalauspuffes also alles bestens. Ich muss aber sagen, dass der Original-Euro4-Auspuff der neuen Suzuki GSXR 1000 im Einiges unschöner aussieht.
Fahreindrücke:
1 - 300 km
Ich befand mich ja noch in der Einfahrphase und konnte den Motor lediglich bis 7.500 rpm drehen. Dennoch haben sich mir schon ein paar Dinge gezeigt, die ich hier gerne erwähnen möchte.
Untertouriges Fahren:
Ich habe im Vergleich zur GSXR den Eindruck, dass der V4 das "untertourige" Fahren nicht so mag. Oder es fühlt sich zumindest für mich so an, dass in Ortschaften bei ca. 50 km/h im 3. Gang bei 2.500/3.000 rpm der Motor sich verschluckt und das Bike ruckelt. Das hat sich für mich nicht so komfortabel angefühlt und immer im zweiten Gang herumfahren und das Steigen der Öltemperatur zu beobachten, war auch nicht so zufriedenstellend. Mit der GSXR bin ich in Ortschaften bei 50-60 km/h immer im 4. Gang sehr ruhig gefahren. Ich glaube mit der RSV4 habe ich dann meist den 3. Gang drin gehabt und habe mich mit dem unruhigen Lauf oder dem "Hoppeln" abgefunden.
Beschleunigen:
Der 1. Gang beschleunigt sehr geschmeidig und sehr schön. Man fühlt sich sicher auf dem Motorrad und hat nicht das Gefühl, dass hier zu viel Leistung anliegt, die gleich das Hinterrad wegrutschen läßt.
Aber: im 2. Gang habe ich ein spürbares Leistungsloch bemerkt. In der Ortschaft wollte ich ein PKW überholen und habe bei 3.000 rpm im zweiten Gang zum Überholen angesetzt. Ich drehe am Gasgriff und was passiert: fast nix. Bis 5.000 rpm war es fast so, als wenn jemand das Motorrad hinten festhalten würde und dann kam mit einem Mal die Beschleunigung, die ich brauchte, um auch überholen zu können. Diese Situation hatte ich mehrmals gehabt. Diesbezüglich bin ich etwas enttäuscht, denn ich möchte die Leistung abrufen können, wenn ich sie brauche und möchte nicht erst mit dem nötigen Abstand von hinten mich einem Fahrzeug nähern, was ich überholen will, um auf 5.000 rpm zu kommen, um dann auch mit dem nötigen Anzug überholen zu können.
Hier eine Frage von mir: Lag das an der elektronischen Einstellung des APRC? Folgende Einstellungen hatte ich eingestellt:
Modus: RACE
AWC: 3
ABS: 3
ATC: 3
ALC: 3
3-6. Gang: bis 7.500 rpm alles gut beim Beschleunigen.
Kuppeln:
Die Kupplung war im Vergleich zur GSXR doch gewöhnungsbedürftig. Sie hat häufig im letzten Drittel beim manuellen Kuppeln geknackt und der Widerstand des Kupplungshebels ließ im letzten Drittel dann mit dem Knacken abrupt nach. Dies fand ich ungewöhnlich. Liegt das an der Kupplung in Verbindung mit dem Schaltautomaten?
Der Schaltautomat funktioniert ab 3.000 rpm und dies einwandfrei. Ich habe aber dennoch häufiger manuell gekuppelt. Ich muss mich da erst noch einfahren und mit der Gasgriffstellung und dem kuppellosem Schalten anfreunden.
Ab und an ist es mir beim manuellen Schalten passiert, dass ich beim Schalten vom ersten in den zweiten Gang den 2. Gang nicht reinbekommen habe und den Leerlauf drin hatte. Wahrscheinlich muss ich den Fußganghebel stärker nach oben ziehen.
Windwiderstand / Aerodynamik:
Auf der Autobahn konnte ich bei 7.500 rpm ca. 170 km/h fahren. Wir hatten recht starken Gegenwind, aber ich muss sagen, dass ich beim Aufrechten Fahren hinter der GSXR einen viel besseren Windschutz hatte. Ich konnte mit der GSXR bis 200 km/h ohne hinter die Scheibe in Deckung zu gehen aufrecht fahren. Bei der RSV4 habe ich das Gefühl, dass ich schon bei 150 km/h mich dahinterducken muss. Ich kann mir gar nicht so richtig vorstellen, wie das dann ist, wenn ich mal 300 km/h fahren möchte. Das wird wohl kaum auszuhalten sein. Ich bin gespannt und werde weiter informieren, wenn ich dann die 2.000 Einfahrkilometer runter habe.
Bedieungselemente:
Blinken:
Was mir sehr stark aufgefallen ist, war, dass der Blinkschalter kein richtiges Feedback gibt, wann der Blinker eingschaltet ist und wann ich ihn wieder ausgeschaltet habe. Schlimmer noch: beim Drücken der Blinkertaste, um das Blinken auszuschalten, habe ich oft den kleinen spitzen Schalter nicht richtig mit dem Lederhandschuh erwischt und habe ihn leicht zur Seite gedrückt. Dadurch habe ich manchmal einfach weiter geblinkt oder habe sogar in die andere Richtung das Blinken begonnen, wenn der Schalter auf einmal zur anderen Richtung gedrückt wurde. Ich habe so das erste Empfinden bekommen, dass ich mit diesem Motorrad äußerst ungern Blinken werde. Aber ich gebe nicht auf und werde üben. Es wäre halt schöner gewesen, wenn die Bedienung des Blinkschalters mit Handschuhen intuitiver und besser fühlbar gewesen wäre. Ich musste jedes Mal auf das TFT-Display schauen, um mich zu vergewissern, dass der Blinker auch aus ist. Wenn der Schalter, z.B. durch ein ordentliches spürbares Einrasten oder Klicken, ein gut vernehmbares Feedback an den Fahrer, der ja meist mit "dicken" Handschuhen unterwegs ist, melden würde, dann wäre das schon schöner!
Wahltaste für das Menü im TFT:
Ich habe an einer roten Ampelkreuzung in ca. 2 min versucht, das ABS von Stufe 3 eine Stufe nach unten zu verstellen. Ich habe es mit meinen Handschuhen und dem kleinen Schalter einfach nicht hinbekommen, den Schalter senkrecht nach unten zu drücken, um den Menüpunkt ABS aufrufen zu können. Die Ampel schaltete dann auf grün und ich bin mit ABS 3 weitergefahren. Es ist kein Weltuntergang, aber auch nicht unbedingt schön, dass auch dieser Schalter für mich nicht schön mit Handschuhen während der Fahrt zu bedienen ist.
Sonstiges:
Putzen:
Was ich dann beim Putzen bemerkt habe, ist, dass ich an der rechten Schwinge nicht wirklich zum Putzen kam. Der Auspuff ist so nahe an der Schwinge, das Klappensystem ebenfalls, dass ich die rechte Seite der Alu-Schwinge einfach nicht putzen konnte. Das finde ich äußerst unpraktisch von Aprilia gelöst. Wie handhaben es die anderen RSV4-Fahrer, deren Auspuff das Putzen der rechten Schwingenseite verhindert?
Kettenfett:
Beim Händler stand die Maschine mit einer Kette, die dick mit weißem Kettenfett eingeschmiert war. Auf Nachfrage beim Händler, ob er mir eine Trockenschmierung drauf macht und das weiße Kettenfett wieder entfernt, hat er - wohl aus zu viel Aufwand - abgewunken.
Nun ja, ich habe nach meinen 300 km das extrem viel abgeschleuderte Kennenfett vom Rahmen, Schwinge, Felge und anderen Teilen aufwändig entfernt und die Kette gründlich gesäubert. Heute werde ich nach Trocknen der Kette diese mit Dry Lube einfetten.
So, das sollen erstmal meine ersten Beobachtungen sein, die ich mit der neuen RSV4 2017 gemacht habe.
Wenn ihr Kommentare abgeben wollt, so freue ich mich über qualifizierte Antworten!
Viele Grüße,
Otily aus Dresden