Konsequenzen von Fehlverhalten auf Trackdays

lazytik

kommt öfter vorbei...
Motorrad
RS 660
Modelljahr
2021
Hallo zusammen,

ich wollte mal einen Diskussionsthread starten, einfach um Meinungen auszutauschen und ein Stimmungsbild zu kriegen.
Das ganze geschieht aus aktuellem persönlichen Anlass.
Ich werde hier drei Teile anreißen:
  1. Die eigentliche Frage für diesen Diskussionsthread
  2. Meine Meinung dazu
  3. Als kurze Anekdote meinen persönlichen Anlass als Auslöser.
1. Worum gehts?
Ich bin jetzt seit 3 Jahren auf Trackdays, fast ausschließlich auf Ostdeutschen Strecken (Dölln, Spreewaldring, Sachsenring, Lausitzring), mit seltenen Abstechern nach Most und Almeria - und beobachte überall etwas ähnliches: Es gibt klare Regeln auf Trackdays, aber wer sich nicht dran hält hat keine Konsequenzen zu befürchten.
In Groß Dölln z.B. gilt in der Start-Ziel-Schikane absolutes Überholverbot. Ich habe erlebt, wie direkt vor mir jemand dort versucht hat zu überholen, den Überholten dabei abgeschossen und in den Reifenstapel geschickt hat. Konsequenz: Keine.
Auf fast jedem Trackday sehe ich, wie unter gelber Flagge überholt oder bei roter Flagge einfach weitergefahren wird. Konsequenz: Keine.
Es gibt immer so einen Haftungsausschluss, da steht drin, dass man alle von der Haftung befreit. Sprich: Wenn ich dich aus der Kurve ramme, bleibst du auf deinen Schäden sitzen. Ausnahmen sind nur die, die das Gesetzt unbedingt einfordert: Körperliche Verletzungen, Tod, Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit (z.B. betrunken fahren). Fast jeder Veranstalter behält sich aber vor, bei Regelverstößen Teilnehmer auszuschließen. Habe ich aber noch nie erlebt. Eher habe ich gesehen, dass Leute freiwillig den Tag vorzeitig beendet haben, als dass jemand dazu verdammt wurde.
Ich persönlich habe schon viel mit anderen gesprochen: Ihnen Feedback gegeben, wenn sie aus meiner Sicht was falsch gemacht haben. Mich entschuldigt, wenn ich zu eng oder ungünstig überholt habe. Meistens wird das gut angenommen und endet in einem netten Gespräch. Viele machen das aber nicht.

2. Meine Meinung
Ich finde es nicht verkehrt, dass Schäden in Folge von Fahrfehlern nicht gleich zu allen möglichen Haftungen führen. Ich persönlich denke aber auch, dass Regelverstöße geahndet werden müssen. Sprich: Der Überholende muss sicher überholen. Flaggen müssen beachtet werden.
Ich fände es gut, wenn Veranstalter und Streckenbetreiber da, abhängig von der Schwere des "Vergehens", durchaus steuern würden: Ansprechen, wenn jemand unter Gelb oder Rot überholt. Mal jemanden einen Stint aussetzen lassen. Und ja, wenn jemand klare Regeln missachtet, auch von der Veranstaltung ausschließen.
Die meisten benehmen sich auf Trackdays so, wie man es erwarten kann basierend auf den Fahrerbesprechungen, aber in jeder Gruppe gibt es so 2 oder 3, die sich für Rossi halten und denken ich könnte reagieren wie Lorenzo.
Ich bin aber kein Profi (fahre meist so Gruppe 3/C) und meine es geht doch beim Trackday um Spaß, nicht um Preise oder so. Insofern sollten hier Verstöße (nicht einfach Fehler, sondern wirklich Regelbrüche) auch geahndet werden.
Jeder Neuling lernt, dass die Fahrerbesprechung ein morgentliches Ritual ist, an dessen Inhalt man sich erinnern kann. Und das finde ich verkehrt.
Rein rechtlich gibt es auch kaum Chancen, jemanden zur Rechenschaft zu ziehen. Rechtlich gilt ein "stillschweigendes Einverständnis zu Sachbeschädigung und Körperverltzung", nach dem Motto "This is racing" - nur dass ich ja gerade kein Racer bin. Andererseits finde ich es auch gut, dass es hier hohe Hürden gibt, damit man nicht bei einfachen Fehlern gleich Klagen befürchten muss. Sprich: Es ist kompliziert.

3. Mein Anlass
Das nur ein bisschem zum Hintergrund, woher ich komme und als Ansatz für eine konkrete Einordnung.
Ich bin Anfang Mai auf dem Sachsenring gefahren. Im ersten Stint des zweiten Tages, es war noch etwas feucht vom nächtlichen Regen, bin ich 4 Runden weit gekommen. In der fünften Runde, war ich auf der Start-Ziel-Gerade ca. 1/3 der Breite vom rechten Streckenrand entfernt. Rechts waren also noch ~10m Platz. So 10m vor meinem eigentlichen Bremspunkt wurde ich von einer Panegale rechts überholt.
Er scherte dann so eng vor mir auf meine Linie, dass er mit seinem Hinterrad meine Vorderrad-Gabel rammte. In dem Moment wo ich ihn sah, habe ich angefangen zu bremsen, er traf mich aber trotzdem und ich landete mit 190km/h auf der Piste. Bin zum Glück auf dem Asphalt geblieben, das Bike ist nur gerutscht. Mein TechAir war gerade wegen Hardwareproblemen in Italien, aber ich hatte meine Helite GP-Air (also Airbag mit Reißleine) an, sowie meine durchaus umfassende und hochwertige Schutzausrüstung.
Ergebnis: Gebrochenes Schulterblatt, leichte Gehirnerschütterung, Motorrad ist periphär mitgenommen: Verkleidung, Protektoren, ClipOn und Gasgriff sind rechtsseitig hinüber.
Also: Glück im Unglück. Der Übrholende ist mit ein paar Kratzern am Bike stehen geblieben. Ich habe ihn angefragt, ob er nicht so 10-15% meiner Schäden aus Verantwortungsbewusstsein tragen würde, mal sehen was er sagt...

Bin gespannt, was eure Meinung ist - vielleicht auch eure Erfahrungen.
VG
lazytik

P.S: Ich fahre mit GPS-/CAN-Tracker und Kamera, deswegen kann ich die Daten zu meinem Unfall ziemlich genau nachvollziehen. Der SaRi hat wohl auch ein Video, will das aber nicht rausgeben...
 
Moin,
die Streckenbetreiber geben grundsätzlich keine Videos weiter, müssen sie auch nicht, außer gerichtlich, etc. angeordnet.
Was willst Du denn auch damit, Schadenersatz einklagen ?
Haftbar kannst Du den Fahrer nicht machen.
Da rechst neben Dir noch genug Platz war, kann/darf man da auch überholen, natürlich auch links.
Ob er sich jetzt mit seiner Geschwindigkeit, Bremspunkt, Einlenkpunkt verschätzt hat, kann man nicht beurteilen.
Keiner war dabei.
Also kann sich hier auch keiner ein Urteil bilden.
Hört sich erst mal wie ein unglücklicher Zwischenfall an.
Vermutlich wird er sich nicht an Deinem Schaden beteiligen.
Hat er sich denn Vorort zu dem Vorfall geäußert?

Ärgerliche Sache, grad wenn einige meinen, ein trackday ist ein Rennen und sich dabei völlig verschätzen oder es übertreiben.
 
Hi,
verklagen werde ich ihn sicherlich nicht, nein. Er hat sich herzlich doof angestellt, selbst wenn er mich nicht gerammt hätte, hätte er mir kaum Platz gelassen, obwohl jede Menge Platz war. Klar durfte er überholen, hätte dann halt gerne rechts oder links von mir bleiben können, statt mit mir kuscheln zu wollen.
Es geht mir aber auch überhaupt nicht um diesen spezifischen Fall. Das war nur der Auslöser meines Posts. Niemand hier kann was sinnvolles dazu beitragen, wie du schon richtig gesagt hast.

Mir geht es eher um das grundsätzliche.
Seht ihr es auch als Problem, dass einige die Regeln nicht einhalten und damit davonkommen? Was wäre ein gutes Maß zwischen Eigenverantwortung und und Eingreifen? Ich denke: Wenn man in einem Rennen mit ausgebildeten Rennfahrern für ein Verhalten bestraft werden würde, sollte es doch bei Spaßveranstaltungen zwischen Amateuren nicht einfach hingenommen werden. Wie gesagt nicht direkt Strafen, aber zumindest mal Hinweise, sowas registrieren und bei Wiederholungen einschreiten. Dafür müssten aber Streckenposten und Veranstalter ein anderes Selbstverständnis entwickeln.

VG
lazytik
 
Na ja, die Streckenposten können ja nicht eingreifen, können vllt. bei groben Fehlverhalten die Race Control informieren und die das an den Veranstalter weiter geben.
Bei grobem Fehlverhalten, überholen bei gelb oder rot, oder rücksichtslosem Fahren, sollte derjenige schon zum Veranstalter zitiert werden.
Wenn’s dann nicht besser wird, kann man sicher mal ein Turn Fahrverbot aussprechen.
Dazu muss das Fehlverhalten aber klar vorliegen, (Kameras an der Strecke, Rückmeldung Streckenposten, nicht unbedingt andere Teilnehmer).
Schwieriges Thema. Was ich evtl als kritisch empfinde, ist vllt. völlig harmlos.
Aber ja, solch Rennstrecken Rambos gibt es halt öfter mal, leider.
 
D'accord, die Streckenposten haben ja eigentlich immer ein Funkgerät und könnten den Veranstalter informieren.
Viele Teilnehmer sind ja mit Kamera unterwegs, dann können deren Beschwerden auch ernst genommen werden. Weil sich mal jemand (einer) beschwert, muss man denke ich nicht sofort einschreiten.
Wenn aber Fahrer bei roter Flagge noch ne Runde drehen, wenn z.T. schon der RTW raus ist, und dann dafür nicht mal einen Anschiss bekommen frage ich mich, warum man überhaupt eine Fahrerbesprechung macht.

VG
lazytik
 
Hallo ich kann dich schon verstehen.
Ich bin meist in den schnellern Gruppen unterwegs, aber auch dort erlebe ich immer wieder das Leute unter Gelb oder gar unter Rot überholen und das ohne Konsequenzen . Spricht an sie drauf an kommt hofft hab ich nicht gesehen.
Das sollte aber jeder Fahrer sich als erstes merken wo die Signale / Flaggen genau sind und diese auch sehen wenn er fährt.
Mir wäre es auch lieber wenn dann mal vom Veranstalter was gesagt würde oder ne Auszeiten verordnet würde.
Also vertun kann sich jeder mal und das es dadurch auch mal enger wird wie gedacht ok. Dann entschuldigt man sich doch direkt oder später.
Wenn es aber ganz dumm läuft und zum Sturz kommt bleibt nur das Zivilrecht und Klage.

Gibt hat viele die meinen jeder Turn wäre ein Rennen.
 
Das da jetzt jeder Teilnehmer mit seiner Kamera ankommt…nee, da bin ich nicht bei Dir.
Und wenns mal kracht, dann gleich mit ner Klage kommen, auch nee.
Dann fahr erst gar nicht auf dem Kringel, passieren kann immer mal was.
 
Motoplex
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