Ich bin ein bisschen enttäuscht.
Irgendwann so um Anfang der 2000er rum, war ich auf dem Heimweg vom Studium zur üblichen Weihnachtspause. Es hatte Winter. Die Heimfahrt hat 10h gedauert für 450km. Alles nicht schlimm, nachdem ich die Autobahn wegen querstehender LKWs verlassen habe, ging es auf der Landstraße weiter. Hat richtig Spaß gemacht. Sämtliche Käffer, Städte und Ortsverbindungen waren brauchbar geräumt und das bei anhaltendem Schneefall und nächtlicher Uhrzeit. Es gab zwar eine geschlossene Schneedecke, aber keinen Tiefschnee. Alles lustig fahrbar ohne Gefahr sich festzufahren mit kuschlig weicher Leitplanke links und rechts.
2010 NRW. Überraschenderweise hatte es ein wenig geschneit, blieb aber kalt. Die Folge war, dass sich mehrere Zentimeter Eispanzer über Straßen und Wegen des Dorfs bildeten. Ich bin damals 1,5km Arbeitsweg mit dem Auto gefahren, weil man sich zu Fuß auf 5m 3 Mal auf die Fresse gelegt hast. Auf Nachfrage bei der Kommune bekam ich Auskunft, man hätte sein Winterdienstfahrzeug im vorangegangenen Sommer verkauft. Der springende Punkt ist aber: Man hat sein Zeug trotzdem irgendwie geregelt gekriegt.
Heute klatschen wir Applaus, wenn die Bahn nach 2 Tagen den Betrieb wieder aufnimmt und Typen deren längster notwendiger Weg Brötchen holen beim Bäcker ist, beschweren sich, dass sie in ihrer Hofeinfahrt Schnee schippen müssen. Mit der Einstellung ist halt kein Wunder, dass nix mehr funktioniert, wenn mal zwei Tage die Sonne nicht scheint.
Eigentlich war es so unspektakulär, dass sich das Fernsehen nicht entblödete, aus Altenberg zu berichten. Das liegt auf einem Gebirgskamm an der deutsch-tschechischen Grenze. Sachdienlicher Hinweis eines Einheimischen: Das ist eigentlich ein Wintersportort. Mit Schnee kommen die klar.
Mal die positiven Sachen: Das eigentlich erwartbare Verkehrschaos ist trotz Bahnausfall halbwegs ausgeblieben. Der Nahverkehr kriegt es auch geregelt. Die Infrastruktur hat's überlebt, also keine umgeknickten Strommasten mit großflächigen Ausfällen. Wasserversorgung läuft trotz Minusgraden. Gesprochen für Dresden: Winterdienst läuft hier.
Und wenn ich dann noch Empörung höre über einzelne Vekehrsunfälle. Das ist im Einzelfall bedauerlich, aber leider statistische Randnotiz bei über 2700 Vekehrstoten jährlich.