Ich habe zwei Jahre in der Subsahara gebaut, kurzzeitig auch in Litauen. Deutsche Firma, deutsche Baustandards, aber kein Bauamt, keine Korinthenkacker. Wir haben trotz brutal schwieriger Rahmenbedingungen(48°C im Schatten, Terroristen, Korruption), für Europäer so nicht vorstellbar, in Rekordzeit und mit höchster Kosteneffizienz Spitzenprodukte geliefert. Zwischenzeitlich haben wir kleinere Aufträge in Deutschland angenommen, wenn es zeitlich dazwischen gepasst hat. Mit den gleichen Leuten, gleiche Baustandards, gleiches Gerät, aber mit Korinthenkackern, die uns in den Wahnsinn getrieben haben, von Chef bis Monteur. Das ist größtenteils eine Beleidigung der Intelligenz, was hier abgeht.Du bist doch am Bau, oder?
Stell dir doch einfach mal vor, es gäbe keine Vorschriften und Regeln. Ich glaube, in dem türkischen Erdbebengebiet haben sie zumindest so gebaut, als gäbe es keine.
Bei Maischberger hat jetzt einer - weiß nicht mehr, ob es der Dürr oder der DeMaiziere war - vorgeschlagen, man könne die Dokumentationspflicht weglassen und dann stichprobenartig am Objekt prüfen, anstatt in den Papieren nachzusehen. In dem Fall war es exemplarisch eine Gastwirtschaft.
Wenn keiner mogeln würde für den persönlichen Profit, dann könnte man sicherlich auf viele Vorschriften verzichten, aber die Realität ist doch, dass jeder bei der Steuererklärung auch das letzte Schlupfloch, das (noch) nicht geregelt ist, ausnutzen will.
Und genau aus diesen Gründen stelle ich mir den Bürokratieabbau so schwer vor.
Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.
Mich stört an deiner Formulierung, dass es argumentativ direkt in Richtung "keine Vorschriften und Regeln" geht und eine Bananenrepublik wie die Türkei als Beispiel herangezogen wird.
99% der qualifizierten Kritiker hierzulande reden von einer Fehlentwicklung in den letzten ~20 Jahren. Nichts ist besser geworden seitdem, nur eine minimale Steigerung der Energieeffizienz im Betrieb der Gebäude, dafür explodierende Kosten in jedem Bereich. Du brauchst für jedes noch so unbedeutende Gewerk hochqualifizierte Spezialisten.
Was Politiker schwätzen, interessiert sowieso nicht, die haben keine Ahnung, wovon sie reden.
Steuerliche Schlupflöcher: Ich habe 10 Jahre Steuern in der Schweiz gezahlt, außerdem dort eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Wie du weißt, zahlt man dort signifikant weniger Steuern, zudem ist das Steuersystem viel transparenter und logischer aufgebaut. Man hat nie das Gefühl enteignet zu werden, wenn die Steuererklärung ansteht, weil nicht alles marode ist, egal wo man hinschaut. Und man hat genug Geld übrig um ein gutes Leben zu führen, auch als einfacher Angestellter. Man wird steuerlich gefühlt nicht für Mehrleistung "bestraft", sondern hat wirklich etwas davon.
Wenn man sich mal bei der Steuererklärung vertut, wird man nicht als Schwerverbrecher behandelt, sondern klärt das mit dem Finanzbeamten am Telefon, der meistens auch die nötige Kompetenz hat, verbindliche Hilfestellung zu leisten. Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung sind dort fast ein Fremdwort. Die wenigen Ausreißer stammen meist aus Kulturkreisen, wo es zum guten Ton gehört, sich so viel wie möglich ohne Gegenleistung vom Staat zu holen.